Im Dialog zu mehr Verständnis – Erasmus+ Projekte fördern interkulturelles Lernen

Die Schule ist ein Schmelztiegel, wo Menschen mit verschiedenem sozialem und kulturellem Hintergrund zusammen lernen und arbeiten. Wir haben uns als Lehrkräfte die Frage gestellt, wie man interkulturelles Verständnis in der Schule durch Projekte stärken kann. Für uns lag die Antwort auf der Hand, wir wollen im Rahmen eines europäischen Projekts mit mehreren Schulen gemeinschaftlich an einem Thema arbeiten, um verschiedene Perspektiven und Arbeitsweisen kennen zulernen und voneinander zu lernen.

Neben der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts hat das interkulturelle Lernen bei uns im Projekt einen sehr hohen Stellenwert, denn wir wissen, wir können das Projekt nur erfolgreich abschließen, wenn wir Verständnis für den anderen aufbringen und kooperativ sind. Wie haben wir dies nun umgesetzt?

Europäische Partnerschaft ist kein Selbstläufer

Wichtig ist uns, dass sich jeder Beteiligte in dem Projekt wiederfindet und wir im Projekt Raum für Vielfältigkeit haben. Das gilt für Lehrkräfte wie für Schüler*innen. Im Planungsteam des Projekts sind Lehrkräfte von drei Schulen – aus drei Ländern – mit drei verschiedenen Wegen der Berufsorientierung – unterschiedlicher Infrastruktur sowie verschiedenen Vorstellungen für die Zukunft. So kann man ungefähr die Ausgangslage beschreiben. Dazu kommt, dass jede Lehrkraft eine eigene Persönlichkeit mitbringt. Um uns besser kennenzulernen, haben wir Planungstreffen und Meetings auch immer mit gemeinsamen Aktivitäten verbunden. So waren wir schnell ein Team, das von großem Respekt und auch persönlicher Wertschätzung geprägt war.

Partnerschaftliche Arbeitsweise

Wie läuft unsere Arbeitsweise nun ab? In der Regel unterbreitet ein Teammitglied einen Vorschlag und die anderen Mitglieder bewerten diesen aus ihrer Perspektive, ob und was für sie sinnvoll und umsetzbar ist. Anschließend überarbeiten wir den Vorschlag in partnerschaftlicher Weise. Bei der Themenfindung war es beispielsweise so, dass wir als Antragsteller des Projekts, Projektpartner gesucht haben, die an einer ähnlichen Fragestellung interessiert waren. Allerdings wollten wir unseren Partnern nicht unser Thema einfach überstülpen. So wurde das Thema Arbeitswelt 4.0 um weitere Entwicklungen ergänzt. Unserem italienischen Partner war der Aspekt Green Economy wichtig und unserem französischen Partner Entrepreneurship. Partnerschaftlich haben wir dann an einem stimmigen Gesamtkonzept gearbeitet.

eigenes Foto: europäische Projektkoordinatorinnen bei einem Projekttreffen

Interkulturelle Experten

Uns war klar, dass wir Menschen ins Projekt einbinden wollen, von deren Erfahrungen und Wissen, wir zum Thema interkulturelles Lernen profitieren können. An unserer Schule konnten wir die Beauftragte für interkulturelles Lernen als Teammitglied gewinnen, was sich als sehr bereichernd für das Projekt herausgestellt hat. Sie besitzt eine Zusatzqualifikation zu dem Thema und hat eine eigene Migragtionsgeschichte. Ein Treffen mit Lale Evenkamp, einer auf interkulturelle Probleme spezialisierte Psychotherapeutin brachte ebenfalls interessante Erkenntnisse, die wir in einem nächsten Projekt zum Thema Integration weiter ausbauen werden. Bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler haben wir auf Diversität geachtet. Die Vielfältigkeit regt zum Dialog an. Schüler*innen mit unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund arbeiten gemeinsam an einem Ziel und entwickeln persönliche Beziehungen.

eigenes Foto: Französische und deutsche Erasmusschüler auf dem Weg zu ihren italienischen Partnern

Kontakt und Kommunikation

Wichtig ist dabei auch Raum für persönliche Kontakte zu geben. Neben der gemeinsamen intensiven Arbeit an dem Projekt, haben wir auch Wert auf ein geselliges Zusammensein von Lehrkräften und Schüler*innen gelegt.

Umsetzung kultureller Aktivitäten im Projekt

Unsere Schülerinnen und Schüler konnten aus organisatorischen Gründen nicht in Gastfamilien untergebracht werden und so war es aus unserer Sicht besonders wichtig, dass sie in kleinen internationalen Gruppen ins Projekt integriert werden und gemeinsam an inhaltlichen Projektthemen arbeiten. Darüber hinaus hatten sie in diesen kleinen Gruppen auch Zeit und Raum für kulturelle Aktivitäten, damit sie sich persönlich kennenlernen konnten. So haben die Schüler*innen in kleinen Gruppen eine digitale Rallye mit verschiedenen Aufgaben absolviert, mussten einem selbst entwickelten Escape-Raum entkommen oder eine interkulturelle Geschichte (Abigail loves Tom) diskutieren. Es standen aber auch Aktivitäten in der Gesamtgruppe auf dem Programm. Jeden Tag haben wir die Mittagspause gemeinsam mit landestypischen Spezialitäten verbracht. Darüber hinaus standen interkulturelle Bewegungsspiele für die Gesamtgruppe auf dem Tagesprogramm. Abends gab es auch gemeinsame Partys. Da wurde gemeinsam gegessen und gespielt, mit Kahoot gequizzt oder Fußball und Volleyball gespielt. Ein Highlight war die von Schülerinnen und Schülern organisierte Disko in Bari. Die Gestaltung der gemeinsamen Abende hängt natürlich auch von der Ausstattung der jeweiligen Schule ab.

Diese intensiven Kontakte führten schließlich dazu, dass Schülerinnen und Schüler, sowie die Lehrkräfte ihre freien Abende gemeinsam beziehungsweise in internationalen Gruppen verbrachten. Das sind sehr erfreuliche und intensive Erfahrungen für alle Beteiligten.

Übertragbarkeit

Diese gemeinsamen Gruppenerfahrungen sind für die Beteiligten sehr wertvoll. Sie bereichern den eigenen Erfahrungsschatz und führen zu interkulturellem Verständnis. Diese Situationen lassen sich auch in den Schulalltag übertragen.

Im Religions-, Politik- oder Fremdsprachenunterricht lässt sich beispielsweise über verschiedene Werthaltungen (Abigail loves Tom) diskutieren. Das in unserem Projekt entwickelte Escape-Room Spiel ‚Save Europe‘ kann bei einer Klassenfeier außerhalb des Unterrichts eingesetzt werden, wenn man mehrere Klassenräume zur Verfügung hat. Die Digitalisierung bietet zudem weitere interessante Möglichkeiten. Das Land NRW hat mit der Bildungs-App ‚Biparcours‘ ein Tool bereitgestellt, mit dem sich Rallyes und Quizes organisieren lassen. Auch mit der Quiz-App Kahoot können interessante Akzente gesetzt werden.

Letztendlich hatten wir alle viel Spaß und haben vielfältige interessante menschliche Begegnungen gehabt, die wir nicht mehr vermissen wollen.

Abigail loves Tom: https://www.politik-lernen.at/site/praxis/unterrichtsideen/article/104996.html

Escape-Room https://mywaygroup.org/teachers-corner/

Biparcours https://biparcours.de/

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