Vom Garagenverkauf zum führenden Händler für Kunstbedarf in Europa

Von Angelina und Julia

In Eitorf beginnt die Geschichte eines kleinen Garagenverkaufs, der sich zum größten Online-Künstlerbedarf Händlers Europas entwickelt hat. Gestäcker – so ist der Name des erfolgreichen Unternehmens – hat immer noch ein lokales Geschäft in Eitorf und in anderen Städten Europas, aber sie haben auch einen sehr erfolgreichen Online-Shop. Wir haben in unserem Erasmus+-Projekt „My way into the digitalized and globalized working world“ sehr Erstaunliches über ihre Erfolgsgeschichte erfahren. Gerstäcker musste harte Entscheidungen treffen, um sich an die Anforderungen durch Globalisierung und Digitalisierung anzupassen, aber seht selbst, was wir gelernt haben.

Der Anfang des Familienunternehmens war eine Garage, als Johannes Gerstaecker 1953 Kinderspielzeug und Steine verkaufte. Aber bald reifte der Entschluss, größer zu werden und die Produkte mit einem Katalog zu verkaufen. Diese Idee verfolgte Gerstaecker so erfolgreich, dass der Händler für Kunstbedarf sich zum führenden Online-Händler für Kunstbedarf in Europa entwickelte. Sie haben derzeit 65.000 Artikel in ihrem Programm.

In den ersten Katalogen der frühen 1960er Jahre wurden viele Artikel angeboten, die auch heute noch im aktuellen Programm zu finden sind: Künstlerfarben, Kunstdrucke, Glasuren, Speckstein. Das erste Lager enthielt bereits mehr als 4.000 Produkte. Neben Künstlern, Studenten und Büros erweiterte sich der Kundenstamm bald auch auf Therapeuten und Lehrer.

Im Jahre 1982 wurde der Katalog in seiner heutigen Form erstmals veröffentlicht, so dass professionelle Künstler sowie Freizeitkünstler, Therapeuten und Lehrer das benötigte Material zu Hause auswählen und sich das Material bequem liefern lassen können. Mit rund 500 Seiten hat sich der Gerstaecker-Katalog zu einem der großen Player im Versandhandel entwickelt.

Foto: Gerstaecker

Als erstes Out-of-the-Country-Geschäft haben sie sich in Frankreich niedergelassen. Ihre Strategie der internationalen Expansion besteht darin, in den Städten der anderen Länder lokale Partner zu finden, bei denen sie ihre Produkte präsentieren können. Der Vorteil für Gerstäcker besteht darin, dass sie so die Bedingungen des ausländischen Marktes kennen lernen und erfahren, was die Kunden interessiert. Wenn sie genug Marktdaten gewonnen haben, beginnen sie, ihr Angebot in dem Land auszuweiten. Von der Zentrale in Eitorf aus betreuen sie die Online-Shops in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Inzwischen haben sie weitere europäische Filialen. Dazu gehören die Filialen Saverne (Frankreich), Alton (England), Olten (Schweiz) und Bozen (Italien). Gerstaecker beschäftigt europaweit ca. 250 Mitarbeiter. Gerstäcker wird in Frankreich Le Géant des Beaux-Arts, in England GreatArt und in Italien Mondo Artista genannt.

Der Erfolg war so durchschlagend, dass eine weitere Expansion des Unternehmens unumgänglich wurde. 1991 eröffneten Michael Gerstäcker und sein Bruder Christian den neuen Firmensitz auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern im Gewerbegebiet von Eitorf.

Foto: Gerstaecker, Künsterfachmarkt Bremen
Foto: Gerstaecker, Künstlerfachmarkt und Firmenzentrale Eitorf

Im Jahr 2001 wurde das neue Logistikzentrum in Eitorf so großzügig errichtet, dass es allen zukünftigen Herausforderungen standhält. Außerdem wurde der erste Online-Shop eröffnet. Das war – wie wir erfahren haben – eine sehr große Entscheidung für sie. Um eine Online-Plattform zu bauen, mussten sie viel Geld investieren. Geld, dass sie zum damaligen Zeitpunkt nicht hatten. Aus diesem Grund haben sie beschlossen, in diesem Jahr keinen Katalog zu drucken und dieses Geld für die Plattform auszugeben. Es war zunächst eine sehr umstrittene – wie sich später aber herausstellte – einer ihrer besten Entscheidungen, denn jetzt sind sie die Nummer eins auf dem europäischen Online-Markt für Künstlerbedarf.

Ende 2002 wurde der Künstlermarkt in Eitorf eröffnet: Auf 2.800 Quadratmetern Verkaufsfläche finden Selbstabholer über 17.000 Artikel aus dem Sortiment, sowie ein gut sortiertes Specksteinlager, eine Rahmenwerkstatt und auch interessante Schnäppchen.

Die Digitalisierung im Verkauf ist nicht das einzige Ziel. Der Einsatz modernster, computergestützter Logistik verfolgt zudem drei Ziele:

1.     Jeden Auftrag in Rekordzeit zu bearbeiten.

2.     Die Kosten so niedrig wie möglich halten; ein Vorteil, den sie an ihre Kunden weitergeben.

3.     Minimieren der Fehlerquote und Sicherung der Qualität der Verpackung.

Ein sehr wichtiger Schlüsselfaktor für ihren Erfolg ist – wie wir gelernt haben – die Koexistenz von lokalen Geschäften und dem Online-Shop, denn die Menschen möchten das Material auch ausprobieren. Aus diesem Grund bieten sie auch Workshops mit Künstlern an. So wurde uns klar, dass das Unternehmen seine Kunden in jeder Hinsicht zufrieden stellen will.

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