Kommentar von Jan, 15.05.2019
Warum haben die Rebellen den Energieschild des Todessterns zerstört? Na, das Imperium muss Strom sparen. Dieser Witz, der sich auf die Star Wars Reihe bezieht, könnte auch auf unsere Situation zutreffen. Es gibt dringenden Handlungsbedarf die Umweltverschmutzung und die Erderwärmung aufzuhalten.
Foto © Jörg Farys / Fridays for Future, Berlin
Ganze 410 Jahre. So lange dauert es, bis sich eine ganz normale Plastikflasche in unseren Meeren zersetzt. Wir haben ein elementares Umweltproblem. Doch es scheint nicht im Bewusstsein aller angekommen zu sein.
Es war und ist das Thema der letzten Wochen und Monate. Die sogenannte „Fridays for Future Bewegung“ mit der erst 15-jährigen schwedischen Initiatorin Greta Thunberg. Im Namen der Schülerbewegung gehen jeden Freitag tausende junge Menschen, hauptsächlich Schüler in etlichen Städten weltweit auf die Straße, um für mehr Umweltschutz, mehr Nachhaltigkeit zu protestieren. Im Fokus steht dabei die Zukunft der Jugend und der Widerstand gegen die träge und alteingesessene Politik und ihre Wirtschaftsinteressen.
Doch statt sich mit den Forderungen und Sorgen der jungen Aktivisten auseinanderzusetzen, kritisieren Politiker, Unternehmer und zahlreiche Erwachsene, dass die jungen Leute freitags nicht mehr in die Schule gehen. Sie werden als Schulschwänzer abgestempelt, die nur eine willkommene Ausrede suchen, um ein bequemes Leben zu führen. Dabei sind die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit schon lange wichtige Themen, nicht eben frisch von den „Fridays for Future“ Aktivisten erfunden. Es ist für sie unverständlich, dass von Seiten der Politik bislang nichts gegen die Probleme, die auf den Schultern aller lasten, getan wird. So gaben etwa 79% der Befragen Deutschen in einer Erhebung von Statista an, dass das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Leben eine wichtige Rolle einnehmen würde. Sie gehen dabei soweit zu sagen, dass sie, soweit möglich, auf Plastik verzichten oder Dinge lieber reparieren würden, anstatt sie neu zu kaufen. Dass die Deutschen umweltbewusst sind, zeigt sich auch in der Bereitschaft, dass 71% in Zukunft in so genannten Unverpackt-Läden kaufen würden oder sich auch vorstellen könnten, Ausrangiertes mit Upcycling ein zweites Leben einzuhauchen.
Gerade bei dem Thema Kleidung ließe sich unsere Gesellschaft noch nachhaltiger gestalten. So gaben bei einer Umfrage von „Splendid Research“ nur 34,9% der Befragten an, dass Nachhaltigkeit sehr wichtig sei, während es nur für 38,9% eher wichtig und ganze 30% teils oder gar nicht wichtig sei. Hier ist aber die Frage offen, warum die Deutschen bei diesem Thema wenig interessiert zu sein scheinen. Es könnte Desinteresse sein, dass es den Menschen egal ist, woher ihre Kleidung kommt, solange sie nicht mehr als 5€ für ein T-Shirt bezahlen. Es könnte aber auch sein, dass sie nicht wissen, ob sie den Angaben der Hersteller vertrauen können. Woher soll ein Konsument wissen, ob das T-Shirt nachhaltig hergestellt wurde oder nicht? Hier fehlt es an verlässlichen Einkaufshilfen, wie z.B. Gütesiegel. Doch auch, wenn immer mehr Menschen angeben, dass ihnen die Umwelt und Nachhaltigkeit immer wichtiger sei, so ändert sich, gerade aus Sicht der jungen Schüler viel zu wenig und daher gehen jeden Freitag – übrigens auch in den Ferien – auf die Straße.
Die für den Friedensnobelpreis 2019 nominierte Schwedin Greta Thunberg sieht dabei auch in der Wirtschaft eine Ursache für die Umweltproblematik. In einer ihrer Reden, bei der tausende Jugendliche zuhörten, sprach sie von „einer kleinen Gruppe Menschen, (…) die immer mehr Geld verdienen“ möchte und so „unsere Zivilisation“ opfere. Sie griff dabei auch direkt die Weltpolitik an: „Sie haben uns in der Vergangenheit ignoriert und sie werden und weiter ignorieren“. Tatsächlich aber sind die Menschen, die Greta Thunbergs Forderungen unterstützen so zahlreich geworden, wie sie sich das, wie sie jüngst in einem Interview bekannt gab, nicht hätte vorstellen können. Es ist eine Bewegung geworden, die Politik und die Wirtschaft sie nicht weiter werden ignorieren kann. Dafür hat die Bewegung bereits zu hohe Wellen geschlagen. Zudem handelt es sich eben auch um zukünftige Wählerstimmen. Rezos Video „die Zerstörung der CDU“ hat manchem Schüler die Augen geöffnet und die CDU in ihren Grundfesten erschüttert. Erst kürzlich haben verschiedene Parteien – darunter auch die konservative CSU – eine neue Klimapolitik angekündigt. Einige Städte haben in Deutschland und anderen Ländern schon den Klimanotstand ausgerufen.
Es bleibt also spannend, ob uns die nachhaltige Entwicklung (sustainable Development) gelingen wird und das aktuelle Wirtschaften nicht die Lebensgrundlage der zukünftigen Generationen gefährdet und diese die gleichen Chancen hat wie die jetzige Generation. Es ist wirklich knapp. Der CO2-Ausstoß kann zu einer unwiederbringlichen Klimaerwärmung führen. Die Meere ersticken in Plastik, was in den Kreislauf des Lebens gelangt. Die Politik tut zu wenig. Fest steht wohl, dass Greta Thunberg und die „Fridays for Future“- Bewegung nicht aufgeben wird. Dafür ist zu viel im Argen und dafür ist es wert den Freitag in der Schule zu opfern.