Von Diana und Patrik
Junge Menschen in Deutschland halten in der Regel das duale Ausbildungssystem nicht für etwas Besonderes. Aber in unserem Erasmus+ Projekt „My way into the digitalized and globalized working world“ haben wir gelernt, wie wir jungen Menschen von der dualen Ausbildung profitieren. Es war wirklich neu für uns, dass das duale Ausbildungssystem weltweit ein Prototyp für erfolgreiche Ausbildung von jungen Menschen ist.
Warum ist das duale Ausbildungssystem von Deutschland international so angesehen? Die Antwort ist einfach: weil es sehr erfolgreich ist! Vergleicht man Jugendarbeitslosigkeitsquoten der verschiedenen Länder, kann man feststellen, warum. Die durchschnittliche Jugendarbeitslosenquote lag laut Statista im Jahr 2018 weltweit bei 12,8%. Nach Angaben der Website ‚Trading Economics‘ waren in Italien 28,2% der Jugendlichen arbeitslos, in Frankreich waren es 19% und in Deutschland nur 5,9%. Doch wie hängt diese Zahl mit dem dualen Bildungssystem zusammen?
In Deutschland befindet sich die Hälfte aller Jugendlichen in einer Berufsausbildung. Das heißt, sie haben sich nach dem Schulabschluss um eine Lehrstelle beworben. Wenn sie angenommen wurden, lernen sie im Betrieb und in einer Berufsschule, was sie über ihren Beruf wissen müssen. An zwei Tagen in der Woche gehen sie zur Berufsschule, um sich das gesamte Hintergrundwissen anzueignen, an den anderen Tagen lernen sie den praktischen Umgang in den verschiedenen Abteilungen des Unternehmens. Die Dauer der Ausbildung liegt je nach Beruf zwischen zwei und drei Jahren. In dieser Zeit verdienen die Jugendlichen ein Gehalt, das je nach Beruf zwischen 700 und 1.000 € pro Monat variiert. Nachdem die Jugendlichen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, erhalten sie oft das Angebot, für ein wesentlich höheres Gehalt weiter für das Unternehmen arbeiten zu können. Nach den Zahlen von GoVet finden 96,4% der dualen Absolventen im Anschluss einen Arbeitsplatz, während nur 82,1% der ungelernten Jugendlichen Arbeit finden können, was bedeutet, dass 17,9% der ungelernten Jugendlichen arbeitslos sind.

Wir haben in unserem Projekt mit Auszubildenden aus verschiedenen Berufen gesprochen. Wir haben von ihnen erfahren, dass sie gerade die Abwechslung schätzen, dass sie im Betrieb sind und in der Schule. Der Betrieb bietet ihnen neueste technische Standards und viel praktisches Wissen, aber die Theorie ist für sie auch wichtig, um einen besseren Überblick zu haben.
Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil: Es ist wahrscheinlicher, im dualen Berufssystem erfolgreich zu sein als an der Universität. Nach den Zahlen von GoVet machen 92,8% der Jugendlichen einen Abschluss im dualen System. An der Universität ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns größer. Nach den neuesten Berechnungen des DZHW erreichen nur 72% der Studierenden ihren Bachelor-Abschluss.
In anderen europäischen Ländern und den USA ergibt sich ein ähnliches Bild. Eine große Zahl von Studierenden beendet die Universität nicht. In Frankreich ist, wie Karin Finkenzeller in ihrem am 03.07.2018 in der Zeit online veröffentlichten Artikel „ungeliebte Ausbildung“ sagt, die Abbrecher- und Misserfolgsquote an den Hochschulen, insbesondere im ersten Jahr, mit fast 60 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Alle deutschen Schüler unseres Erasmus+-Projekts wollen nach ihrem Schulabschluss eine Berufsausbildung machen und damit in das duale Ausbildungssystem einsteigen. Die meisten streben eine Ausbildung in einer Verwaltung oder einem Unternehmen an. Die italienischen Studenten in unserem Projekt haben keine Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen. Sie müssen es schaffen, auf eine Universität zu gehen. Aber sie sind sich des Problems bewusst, dass die Abbrecherquote an den Universitäten sehr hoch ist und das Studieren teuer ist, was ihren Weg noch schwieriger macht. Die französischen Studenten unseres Erasmus+-Programms besuchen ein Vollzeitinternat, um Küchenchef oder Restaurantfachkraft zu werden. Sie erhalten keine Ausbildungsvergütung. Sie haben spezielle Einrichtungen wie eine Küche oder ein Restaurant an ihrer Schule. Für mehr Erfahrung absolvieren sie Praktika in Gastronomieunternehmen.
Einerseits haben wir internationalen Erasmus+ Schüler gelernt, dass unser Weg in die Arbeitswelt sehr unterschiedlich ist, aber andererseits wissen wir jetzt, dass alle Berufe von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Globalisierung betroffen sein werden. Was uns auf unserem Weg zudem helfen wird, ist unternehmerisches Denken. Denn wir wissen nicht, ob wir uns einmal selbstständig machen wollen oder müssen.