Welche Bedeutung hat Digitalisierung für Arbeitnehmer? Wir haben Fakten für euch.
Von Romina, 01.05.2019
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Der Begriff Arbeitswelt 4.0 nimmt Bezug auf die bisherigen Veränderungen in der Industrie und basiert auf Digitalisierungsprozessen. Die Digitalisierung ist ein unaufhaltsamer Prozess, der den Berufsalltag umfassend verändern wird. Sie ist die größte Veränderung der letzten Jahrzehnte und erfordert von Unternehmen wie von Arbeitnehmern große Anpassungsprozesse.
„Digitalisierung in der Arbeitswelt 4.0“ über kaum ein anderes Thema wird momentan häufiger diskutiert. Dabei geht es oft um die Frage, ersetzen die intelligenten Maschinen die Arbeitnehmer? Vielfach geht es um Angst um den eigenen Arbeitsplatz und damit die Existenz. Auch Schüler und Auszubildende suchen nach einer Perspektive und einer verlässlichen Antwort, welcher Beruf Zukunft für sie hat. Bis 2022 werden laut einer Erhebung des Weltwirtschaftsforums (WEF) wegen der rasanten Entwicklung in der Digitalisierung 75 Millionen Jobs wegfallen. Viele Unternehmen haben Angst vor der neuen Entwicklung und welche Veränderung sie mit sich bringt. Neue Technologien erobern im Eiltempo die Welt und lösen in den Unternehmen die größten Umwälzungen seit 50 Jahren aus. Doch erst müssen die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber informiert und aufgeklärt werden.
Laut einer Umfrage des Industrieverbands International Federation Robotics, tun sich zwei Drittel der Unternehmen schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Die körperlich anstrengende Arbeit beispielsweise in den Warenlagern führt dazu, dass sich die Arbeitnehmer, die dort arbeiten, häufiger krank melden. Die Roboter befreien Menschen von stupiden Tätigkeiten, indem sie beispielsweise alle Anschlüsse in einem Auto überprüfen. „Solche sinnentleerten Aufgaben mussten bislang Menschen erledigen.“ , sagt der Wirtschaftswissenschaftler Horst Wildemann, Leiter des Forschungsinstitut, Unternehmensführung, Logistik und Produktion an der Technischen Universität München. Das Logistikzentrum BLG in Frankfurt hat bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von arbeitsentlastenden Robotern. Dort arbeiten Menschen in festen Stationen. Das System der selbstfahrenden Transportroboter ist nicht nur effizienter zur herkömmlichen Person-zur-Ware-Abwicklung, sondern auch schonender für die Mitarbeiter, weil die Gehwege entfallen und die Ergonomie steigt, weil die Mitarbeiter nicht mehr so körperlich belastet werden. Gleichzeitig ist das Lager flexibler und kann laufend an sich ändernde Handelsmengen angepasst werden, ohne dass Engpässe entstehen. Geschäftsführer Nicholas Matten vom Haustechnikunternehmen Stiebel Eltron sieht „bei Arbeitskosten ein Einsparpotential zwischen 30 und 40%.
Zwar wird es enormen Stellenabbau geben und viele Tätigkeiten und sogar ganze Berufsfelder können wegfallen, aber auf der anderen Seite werden nach einer Schätzung des des Weltwirtschaftsforums (WEF) bis 2022 133 Millionen neue Stellen und Berufe entstehen. Dies fällt vor allem in der Ausbildungswelt auf. Seit dem 01.08.2018 können sich junge Menschen bundesweit erstmals zum Online-Händler ausbilden lassen – so auch am Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg – „Kauffrau/Kaufmann für E-Commerce“ heißt das Angebot offiziell. Klassische Bürotätigkeiten, wie die in der Buchhaltung können wegfallen. Der Kundendienstmitarbeiter in der Filiale wird zukünftig am Telefon in der Servicehotline vorzufinden sein. In der Zukunft werden Datenanalysten, Software- und Anwendungsentwickler, Online-Händler und Social Media Manager gefragt sein. Auch Stiebel Eltron sieht von Kündigungen ab. „Betroffene Arbeitnehmer wollen wir nicht entlassen, sondern fortbilden und in anderen Bereichen des Unternehmens einsetzen.“, sagt Matten. Laut der WEF sollen bis 2022 58% aller Arbeitnehmer erhebliche Neu- und Weiterbildungsqualifizierungen benötigen.
Die ganzen Veränderungen müssen also nicht schlecht sein. So bietet die Digitalisierung Chancen für Arbeitnehmer, wenn sie sich offen für die neuen Entwicklungen zeigen. Sie können interessantere Tätigkeitsfelder bekommen, müssen sich aber fortbilden. Im produzierenden Gewerbe ist die Digitalisierung auch schon angekommen, so zeigt eine Studie des Digitalverbandes Bitcom, dass jedes zweite Unternehmen bereits Anwendungen im Rahmen von Industrie 4.0 mit der breiten digitalen Vernetzung nutzt. Allerdings müssen in Zeiten des digitalen Wandels, um neue Ideen, Innovationen und Geschäftsmodelle schnell und flexibel und vor allem effizienter entwickeln zu können, die Art der Führung von Teams und ganzen Unternehmen neu gedacht werden.